„Wer wagt, gewinnt!“– so könnte das Motto von Jürgen Seiring lauten, der in der Versicherungsbranche als diskussionsfreudiger Macher bekannt ist. Seine Karriere begann im Gerling-Konzern und führte ihn 1989 zur VSMA, wo er sieben Jahre später Geschäftsführer wurde. Ende August verabschiedet sich der gewiefte Stratege, der die Krise der VSMA in den 90er-Jahren hautnah miterlebt und die anschließenden Erfolge mitgestaltet hat, in den verdienten Ruhestand.

Jürgen Seiring ist ein echtes Kind des „Ruhrpotts“ – seine direkte Art ist unverkennbar. Seine glückliche Kindheit und Jugend in Duisburg waren von einer tiefen Liebe zum Sport geprägt. Er kickte in der Jugend des MSV Duisburg und später in der Betriebssportmannschaft des Gerling-Konzerns. „Maradona des Ruhrgebiets, nannten sie mich da“, erzählt er schmunzelnd. Auch im Handball war er lange Zeit erfolgreich und blieb dieser Sportart bis vor kurzem treu. Ehrgeiz, strategisches Denken, Mannschaftsgeist und „Fair Play“ sind fest in seiner DNA verankert.

In die Versicherungswirtschaft kam er eher zufällig. Nach dem Abitur entschied er sich gegen ein Maschinenbaustudium und für eine Ausbildung. Er bewarb sich für drei verschiedene Berufszweige. „Die erste Zusage kam vom Gerling-Konzern, also fing ich da an“, erklärt er mit dem für ihn typischen Pragmatismus. 1981 begann er in Essen seine Lehre zum Versicherungskaufmann und lernte dort die Branche kennen, die sein Berufsleben bestimmen sollte.

Industrieversicherungen sind sein Element
An seine Zeit beim Gerling-Konzern denkt Seiring gerne zurück. „Ich habe dort zufällig mit Andreas Melten angefangen, den ich noch vom Gymnasium kannte. Nach der Lehre wurden wir übernommen und haben im Abendstudium den Versicherungsfachwirt gemacht. Jeden Tag von 8 bis 22 Uhr Versicherungen. Eine anstrengende Zeit, die ich jedoch genossen habe. Die Vielfalt und Komplexität der Themen in der Industrieversicherung sind eine Herausforderung, die ich bis heute liebe.“

Im Gerling-Konzern wurde er zum Spezialisten für Haftpflicht und Rechtsschutz ausgebildet. Mit 25 Jahren übernahm er die Verantwortung für den Bereich Haftpflicht, nachdem der Leiter ausgeschieden war. Eine offizielle Beförderung zum Abteilungsleiter blieb ihm jedoch aufgrund seines damals jungen Alters verwehrt. Das wollte der durchaus ehrgeizige Haftpflichtexperte nicht hinnehmen und bewarb sich anderswo. Versuche, ihn im Gerling-Konzern zu halten, kamen zu spät, er kündigte 1987. „Wenn ich einmal einen Weg eingeschlagen habe, bleibe ich dabei“, stellt er klar.

Sein Weg führte ihn dann zum Versicherungsmakler Gradmann & Holler in Frankfurt, für ihn ein Testballon. Daher blieb seine Lebensgefährtin – und heutige Ehefrau – zunächst in Duisburg. „Das war unsere erste Krise. Zum Glück auch die einzige. Ohne die stetige Unterstützung von Martina wäre mein Weg sicher anders verlaufen“, berichtet Seiring dankbar. Tatsächlich hätte sich ein Umzug für Gradmann & Holler nicht gelohnt, er blieb dort nur knapp zwei Jahre. In der Region von Frankfurt hingegen sollte seine Familie tiefe Wurzeln schlagen. Der Grund: die VSMA GmbH.

Wie Jürgen Seiring zur VSMA kam
Die Weichen für seine berufliche Zukunft stellte eine zufällige Begegnung mit Werner Bodenschatz an der Uni Frankfurt. Der damalige Leiter der Versicherungsstelle des VDMA suchte einen Experten für Haftpflicht und Vertrieb und brachte so die VSMA mit ihrem späteren Geschäftsführer zusammen. Seiring begann am 01.01.89 als Haftpflichtspezialist und Außendienstmitarbeiter bei der VSMA. „Damals boomte das US-Geschäft mit horrenden Schadenfällen, und auch Umwelthaftung war plötzlich ein großes Thema für die Haftpflichtversicherung. Neue Herausforderungen für alle VDMA-Mitgliedsunternehmen, für die ich eine Versicherungslösung finden musste. Ich war voll in meinem Element“, erinnert er sich. Die Euphorie währte nicht lange. Anfang der 90er-Jahre kam ein neuer Geschäftsführer, der die VSMA schließlich in eine tiefe Krise führte.

„Damals ist einiges schiefgelaufen. Zum einen sollten wir uns nur noch auf die großen Maschinenbauer und Konzerne konzentrieren, obwohl diese meist einen firmeneigenen Makler haben, zum anderen wollte der damalige Geschäftsführer VSMA-Niederlassungen in ganz Deutschland gründen. Dabei wurde sehr viel Zeit und Geld verbrannt. 1993 war die VSMA praktisch pleite. Die Geschäftsführung wurde abgesetzt, die VSMA durch den VDMA neu positioniert. Mittelständische Unternehmen rückten in den Fokus. Kundenkontakte sollten intensiviert, die vernachlässigten Beziehungen zu Versicherern und Industrieverbänden (BDI/GDV) neu aufgebaut werden. Ein Weg, den ich voll unterstützt habe“, berichtet Seiring.

Die Umsetzung des neuen Kurses lag in den Händen von Dr. Martin Wansleben. „An unser erstes Gespräch erinnere ich mich genau“, erzählt Seiring. „Als ich sein Büro betrat, erwartete ich eine Kündigung. Stattdessen erklärte er mir, dass er auf mich zählt und mir ab sofort Prokura erteilt.“ Der Rest ist Geschichte. 1993 wurde Jürgen Seiring nicht nur neuer Prokurist der VSMA, sondern zusätzlich mit der Leitung des Haftpflicht-Ressorts und des Vertriebs betraut, 1996 wurde er gemeinsam mit Werner Döringer zum Geschäftsführer der VSMA berufen.

35 Jahre Versicherungen für den Maschinen- und Anlagenbau
Dass der Geschäftsführer der VSMA so lange erhalten blieb, liegt an der einzigartigen Chance, die sich ihm dort bot. „Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, ein Unternehmen, das rote Zahlen schreibt, das strukturell und strategisch alle denkbaren Fehler gemacht hat, neu mit aufzubauen? Dr. Martin Wansleben hat 1993 für die VSMA einen Lösungsweg vorgezeichnet, den ich unbedingt mitgehen wollte. Die Umsetzung hat mich bis heute auf Trab gehalten – und ebenso gefordert wie begeistert“, schwärmt Seiring. Einfach war diese Aufgabe sicher nicht, erfolgreich allerdings schon.

Heute gilt die VSMA als der führende Versicherungsmakler für den Maschinen- und Anlagenbau. Ein Erfolg, zu dem Jürgen Seiring viel beigetragen hat. Für die VSMA hat der zielorientierte Verhandler und Perfektionist zahlreiche einzigartige Versicherungslösungen entwickelt. „Es war mir immer wichtig, die Entwicklungen in Politik und Wirtschaft zu verfolgen. So konnte ich neue Risiken im Maschinenbau frühzeitig identifizieren und gemeinsam mit Versicherungspartnern neue Deckungskonzepte entwickeln“, erklärt Seiring. „Das kam der VSMA zugute – und unsere Kunden. Deren Vertrauen in mich hat mich 35 Jahre lang täglich motiviert und angetrieben.“

Am 31. August 2024 geht der Geschäftsführer der VSMA in den wohlverdienten Ruhestand. Er hat die VSMA nicht nur durch seinen hohen Anspruch an fachliche Expertise und die für ihn typische Diskussionsfreude geprägt. Entscheidend für den Weg der VSMA war vor allem sein fester Glaube an die Vision der VSMA, die er seit 1993 verfolgte. Genau diese Vision hat er in den vergangenen drei Jahrzehnten mit Mut, unermüdlichem Einsatz und strategischem Geschick in die Tat umgesetzt – und so gemeinsam mit seinem engagierten Team aus einer Pleite eine Erfolgsstory gemacht.

Mehr darüber, was Jürgen Seiring im Laufe seiner Karriere geprägt und motiviert hat, lesen Sie im exklusiven Interview.

Stimmen von wichtigen Weggefährten
Zum Abschied von Jürgen Seiring haben wir drei Geschäftsfreunde und Kollegen gebeten, ihm persönliche Worte und gemeinsame Erinnerungen mit auf den Weg zu geben:


Heinz-Dieter Fechner,
Direktor für den Bereich Leben bei der Allianz (im Ruhestand):

Wer ihn kennt, der weiß, dass Jürgen ein Mensch ist mit einer besonderen Ausstrahlung und ausgestattet mit vielen guten Eigenschaften. In unserer langjährigen Freundschaft, die eigentlich fast von Beginn seiner 35-jährigen Tätigkeit bei der VSMA an besteht, hat er mich immer wieder beeindruckt durch seine offene Art. Dazu zählt unter anderem seine große Diskussionsfreude, verbunden mit seiner Fähigkeit zur Selbstreflexion und der Bereitschaft auch sich selbst und/oder sein Tun zu hinterfragen; nicht zu vergessen seine besondere Empathie.

 

Wir hatten immer eine sehr interessante Zeit, wenn wir beruflich oder privat zusammen unterwegs waren. Mir sind die vielen langen Diskussionen in guter Erinnerung, denn Jürgen hat stets nicht nur Meinungen vertreten, sondern auch aktiv zugehört. Da ist auch seine positive Lebenseinstellung, die auch getragen ist von der Wahrnehmung von Kleinigkeiten, die ihn erfreuten und die ihm Zufriedenheit und Entschleunigung bescherten. Immer war er interessiert an neuen Eindrücken und Erfahrungen.

 

Dazu fällt mir eine nette Begebenheit ein:
Jürgen und seine Frau Martina waren bei uns zum Abendessen eingeladen. Als leidenschaftlicher Hobbykoch fragte ich natürlich vorab, ob es etwas gebe, was sie nicht mögen. Jürgen erwiderte darauf, dass ihnen alles schmeckt, „außer gefülltem Leguan“. Ok, ich entschied mich also für ein exquisites Fischmenü (unter anderem Meeresfrüchte in einer Champagner-Karotten-Nage). Als die Beiden am Abend erschienen, war Jürgens Entsetzen groß. Fisch? War wohl bislang nicht sein Ding. Aber: er hat sich ran getraut, davon probiert und ist dann auf den Geschmack gekommen. Fischgerichte, das kann ich bestätigen, erfreuen nun seit Langem seinen Gaumen.

 

In unserer langjährigen Freundschaft haben wir gemeinsam viel erlebt, viel Spaß gehabt aber auch tiefgründige Gespräche geführt und tolle bleibende Eindrücke gesammelt. Ich wünsche ihm und uns, dass dies noch viele Jahre so weiter geht.

 


Andreas Melten,
Mitarbeiter der VSMA, kennt Jürgen Seiring seit der Schulzeit:

 

Jürgen ist ein Mensch, der zu 150 Prozent hinter seiner Aufgabe steht. Er hatte immer eine klare Vorstellung davon, wie das Außendienstteam erfolgreich agieren kann. Durch seine Beharrlichkeit im Vertrieb und in der Führung seines Teams hat er oft das Optimum des Möglichen erreicht. Immer an den Erfolg zu glauben und alles dafür zu tun hat ihn stets ausgezeichnet. Nachdem Jürgen mich 2001 überzeugen konnte, zur VSMA zu wechseln, haben wir gemeinsam eine sehr interessante und erfolgreiche Zeit im Vertrieb erlebt.

 

Unser gemeinsamer beruflicher Start beruhte auf einem witzigen Zufall. Jürgen und ich waren auf der gleichen Schule und haben zusammen Abitur gemacht. Kurz vor den Abiturprüfungen fragte ich ihn, was er danach machen will. Er erzählte mir, dass er eine Ausbildung beim Gerling-Konzern in Essen machen würde. „Du Scherzkeks, wer hat dir denn gesagt, dass ich dort meine Ausbildung mache?“, fragte ich ihn. Tatsächlich war es kein Scherz, wir hatten beide unwissentlich einen Ausbildungsvertrag beim gleichen Versicherer unterschrieben. Am Ende der Ausbildung zeigten wir dann unserem Personalchef, mit wem er es bei uns zu tun hatte. Da beim Industrieversicherer Gerling das übliche Prüfungsthema „Privatversicherung“ nicht im Fokus stand, beschlossen wir, uns im Fach „Rückversicherung“ prüfen zu lassen. Der Personalchef war entsetzt und prophezeite uns, dass wir durchfallen würden. Den Gefallen taten wir ihm nicht. Nach einem halben Jahr Pauken bestanden wir die Prüfung mit der Note 1.

 
Für seine Zukunft und die Zeit nach der VSMA wünsche ich Jürgen, dass er loslassen kann und sich voll und ganz auf sein neues Hobby, die Welt mit dem Wohnmobil zu bereisen, konzentrieren kann. 

 


Birger Jeurink,
seit April 2023 neuer Geschäftsführer der VSMA GmbH

 

Wenn ich an Jürgen Seiring denke, fallen mir sofort seine humorvolle Art und seine Fähigkeit ein, Probleme schnell und pragmatisch zu lösen. Er hat immer den direkten Weg gesucht und dabei stets ein offenes Ohr für alle. Sein bemerkenswertes Talent, komplexe Herausforderungen einfach und effizient zu meistern, hat mich tief beeindruckt und inspiriert. Die Zusammenarbeit mit ihm war intensiv und manchmal herausfordernd, aber immer fair und unterstützend. Gemeinsam haben wir viele lustige und spontane Momente erlebt, die mir immer in bester Erinnerung bleiben werden.

 

Eine Anekdote, die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, ist die, wie ich Jürgen zum Camper gemacht habe. Seit vielen Jahren bin ich leidenschaftlich gerne mit meiner Familie im Wohnmobil unterwegs. Eine Art des Reisens, von der ich immer wieder begeistert erzähle und die ich anderen oft wärmstens empfehle. Was bei Jürgen mit einer beiläufigen Empfehlung begann, entwickelte sich schnell zu einer Leidenschaft. Heute besitzt er längst ein eigenes Wohnmobil namens „Bruno“, das er ebenso gerne optimiert wie er damit reist.

 

Für die Zukunft wünsche ich Jürgen und seiner Frau Martina jede Menge freie Zeit und natürlich unvergessliche Campingtouren. Mögen sie die Freiheit der Natur genießen und spannende Abenteuer erleben. Ich hoffe sehr, dass wir sie hin und wieder auf ihren Reisen begleiten können.