
Risikobesichtigungen im Wandel: Worauf Unternehmen heute achten sollten
In den vergangenen Jahren haben Risikobesichtigungen deutlich an Bedeutung gewonnen. Sie dienen nicht mehr nur der Einschätzung eines Versicherungsrisikos, sondern helfen Unternehmen auch dabei, Schwachstellen im vorbeugenden Brandschutz und im Risikomanagement frühzeitig zu erkennen. Der folgende Beitrag zeigt, worauf Unternehmen beim technischen und baulichen Brandschutz, bei elektrischen Anlagen, Photovoltaik sowie beim sicheren Umgang mit Lithium-Ionen-Akkus achten sollten – und warum dabei das Zusammenspiel technischer, baulicher und organisatorischer Maßnahmen entscheidend ist.
Technischer Brandschutz: Entscheidend ist die Funktionsfähigkeit
Die Grundlage eines wirksamen Brandschutzkonzepts bilden Brandmeldeanlagen, Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA) sowie weitere technische Brandschutzeinrichtungen. Im Rahmen von Risikobesichtigungen wird daher nicht nur geprüft, ob entsprechende Anlagen vorhanden sind, sondern auch, ob sie regelmäßig gewartet und an bauliche oder betriebliche Veränderungen angepasst wurden.
Häufig besteht ein Missverständnis bezüglich der regelmäßigen Wartung von Rauch- und Wärmeabzugsanlagen: Ihr Zweck beschränkt sich nicht allein auf den Sachschutz oder die Erfüllung versicherungstechnischer Anforderungen. Vielmehr übernehmen RWA-Anlagen wichtige Funktionen für den Personen- und Rettungsschutz. Sie halten Flucht- und Rettungswege raucharm und unterstützen die Arbeit der Feuerwehr. Entsprechend ergeben sich die Wartungspflichten oftmals bereits aus bauordnungsrechtlichen Vorgaben sowie den Vorgaben der Hersteller.
Automatische Löschanlagen spielen im klassischen Maschinen- und Anlagenbau bislang zwar noch eine untergeordnete Rolle. Aufgrund zunehmender Automatisierung, moderner Hochregallager und besonders wertintensiver Produktions- oder Lagerbereiche gewinnen sie jedoch zunehmend an Bedeutung – insbesondere dort, wo ein Brand zu erheblichen Betriebsunterbrechungen führen könnte.
Baulicher Brandschutz: Kleine Mängel mit großer Wirkung
Während technische Anlagen häufig im Mittelpunkt stehen, werden Mängel im baulichen Brandschutz oft erst bei einer Risikobesichtigung entdeckt. Dabei entscheidet im Ernstfall gerade der bauliche Brandschutz darüber, ob sich ein Feuer auf einzelne Brandabschnitte begrenzen lässt oder sich ungehindert ausbreiten kann.
Am häufigsten werden folgende Mängel festgestellt: unverschlossene Leitungsdurchführungen nach Installationsarbeiten, beschädigte oder nicht fachgerecht wiederhergestellte Brandschotts sowie dauerhaft offene oder nicht mehr ordnungsgemäß schließende Brandschutztüren.
Solche Mängel entstehen häufig im Zuge von Umbauten oder Modernisierungen und bleiben im Betriebsalltag in vielen Fällen lange unbemerkt. Da der bauliche Brandschutz Bestandteil der Baugenehmigung beziehungsweise des Brandschutzkonzepts ist, können sich daraus sowohl behördliche als auch versicherungstechnische Konsequenzen ergeben.
Elektrische Anlagen und Photovoltaik: Stärker im Fokus
Die zunehmende Elektrifizierung von Produktionsstandorten stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen. Neben dem ordnungsgemäßen Zustand elektrischer Anlagen rücken insbesondere deren regelmäßige Prüfung und Dokumentation stärker in den Mittelpunkt.
Dabei unterscheiden sich die gesetzlichen Prüfpflichten, wie sie beispielsweise in der DGUV Vorschrift 3 festgelegt sind, von weitergehenden Prüfkonzepten oder versicherungsvertraglichen Anforderungen. Letztere können je nach Risikosituation vereinbart sein.
Auch Photovoltaikanlagen werden im Rahmen von Risikobesichtigungen deutlich intensiver begutachtet als noch vor wenigen Jahren. Neben der Installation und Wartung interessieren sich Risikoprüfer insbesondere für die Einbindung der Anlage in das Brandschutzkonzept, die Abschaltmöglichkeiten sowie den Schutz von Wechselrichtern und weiteren elektrischen Komponenten.
Lithium-Ionen-Akkus: Ein wachsendes Risiko
Mit der zunehmenden Verwendung von Lithium-Ionen-Akkus in Flurförderzeugen, Werkzeugen und anderen betrieblichen Anwendungen gewinnt auch der sichere Umgang mit ihnen weiter an Bedeutung. Dabei stehen geeignete Ladebereiche, eine sichere Lagerung und der Umgang mit beschädigten Akkus im Mittelpunkt. Unternehmen sollten klare organisatorische Regelungen schaffen und ihre Beschäftigten regelmäßig für das Thema sensibilisieren, um Brandrisiken frühzeitig zu minimieren.
Weitere Informationen zum richtigen Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien im Betrieb finden Sie hier: https://vdma-insurancebrokers.eu/richtiger-umgang-mit-lithium-ionen-batterien-im-betrieb-tipps-zur-minimierung-der-brandgefahr/
Praxis-Check: Wie gut ist Ihr Unternehmen vorbereitet?
Nutzen Sie die folgenden Fragen als erste Orientierung. Schon ein einzelnes „Nein“ kann Anlass sein, bestehende Prozesse oder technische Einrichtungen näher zu überprüfen.
- Werden alle technischen Brandschutzeinrichtungen (zum Beispiel Brandmelde- oder Rauch- und Wärmeabzugsanlagen) entsprechend den Vorgaben regelmäßig gewartet, von Sachverständigen geprüft und sind die Wartungen dokumentiert?
- Wurden nach Umbauten oder Installationsarbeiten sämtliche Brandschotts und Brandabschlüsse fachgerecht wiederhergestellt und funktionieren die Brandschutztüren ordnungsgemäß?
- Werden elektrische Anlagen, Photovoltaikanlagen und – sofern vorhanden – Batteriespeicher entsprechend der geltenden Vorgaben geprüft und werden festgestellte Mängel zeitnah beseitigt?
- Existieren klare Regelungen für den Umgang mit Lithium-Ionen-Akkus, insbesondere hinsichtlich Lagerung, Ladebereichen und beschädigten Akkus?
- Sind Verantwortlichkeiten, Wartungsnachweise und Notfallabläufe aktuell dokumentiert und allen relevanten Mitarbeitenden bekannt?
Fazit und Handlungsempfehlungen
Lassen Sie Risiken nicht erst bei einer Risikobesichtigung sichtbar werden. Eine regelmäßige interne Überprüfung hilft dabei, Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und die Resilienz Ihres Unternehmens nachhaltig zu stärken.
Nicht alle Feststellungen im Rahmen einer Risikobesichtigung beruhen ausschließlich auf versicherungstechnischen Anforderungen. Viele Themen ergeben sich auch aus behördlichen Vorgaben, dem Arbeitsschutz oder dem baulichen Brandschutz. Diese unterschiedlichen Anforderungen verfolgen zwar verschiedene Ziele, ergänzen sich in der Praxis jedoch und tragen gemeinsam dazu bei, Schäden zu vermeiden und Betriebsunterbrechungen zu reduzieren.
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Nina Nodorf
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