43 Jahre in der Versicherungswirtschaft – davon 35 Jahre bei der VSMA GmbH – prägen das Leben und die Karriere von Jürgen Seiring. Als Geschäftsführer hat er mit unermüdlichem Engagement und völlig neuen Versicherungslösungen entscheidend zum heutigen Erfolg der VSMA beigetragen. Nun geht er in den verdienten Ruhestand. Im Interview erzählt er, was ihn antreibt, wer ihn inspiriert hat und warum das erste Anzeigenmotiv der VSMA einen Feuerwehrmann zeigte.
Welchen Berufswunsch hatten Sie als Kind?
Als kleiner Junge wollte ich Feuerwehrmann werden. Bei einem Besuch unserer Feuerwache in Duisburg Hamborn hat mich vor allem die Rutschstange fasziniert. Mein Versuch, den Wehrersatzdienst bei der Freiwilligen Feuerwehr zu absolvieren, scheiterte leider daran, dass alle Plätze besetzt waren. Stattdessen kam ich zum Malteser Hilfsdienst, eine Erfahrung, die mich gelehrt hat, Dinge schnell zu organisieren und effizient umzusetzen. Später wurde der Feuerwehrmann dann immerhin das erste Anzeigenmotiv der VSMA in den VDMA-Maschinenbaunachrichten. Die Faszination für diesen Beruf hielt also lange an.
Wieso wurde es dann die Versicherungsbranche, was fasziniert Sie daran?
Der Zufall! Nach dem Abitur liebäugelte ich kurz mit einem Maschinenbaustudium, doch der Wunsch nach Unabhängigkeit und die lange Studiendauer ließen mich umdenken. Ich bewarb mich bei Thyssen-Krupp als Industriekaufmann, bei Siemens als IT-Kaufmann und beim Gerling-Konzern in Essen als Versicherungskaufmann. Gerling sagte zuerst zu, und so begann mein Weg in die Versicherungsbranche. Purer Zufall also, aber für mich ein Volltreffer. Wer Industriekunden betreut, ist immer am Puls der Zeit und muss neue Themen und Risiken schnellstmöglich in neue Versicherungslösungen umsetzen. Diese Herausforderung liebe ich!
Wie kamen Sie zur VSMA und wann wurden Sie Geschäftsführer?
Auch mein beruflicher Einstieg bei der VSMA war ein Zufall. Nach meinem Ausscheiden aus dem Gerling-Konzern wechselte ich zum Versicherungsmakler Gradmann & Holler in Frankfurt. Dort gefielen mir aber weder meine Aufgaben noch der Umgang der Kollegen untereinander. Danach wollte ich eigentlich wieder zurück in den Ruhrpott, traf dann aber an der Frankfurter Uni zufällig den Leiter der Versicherungsstelle des VDMA, Werner Bodenschatz. Der suchte für die VSMA jemanden, der „Ahnung von Haftpflicht und Vertrieb hat“. Das passte perfekt zu mir. Das anschließende Vorstellungsgespräch bei der VSMA verlief gut, und so begann ich dort am 1. Januar 1989. Geschäftsführer wurde ich 1996 zusammen mit Werner Döringer.
Welches Erlebnis bei der VSMA hat Sie am meisten geprägt?
Ein prägender Moment war Anfang der 90er-Jahre. Die Geschäftsführung plante damals, in allen Bundesländern eigene Niederlassungen zu gründen. Das hielt ich für den falschen Weg. Ich lehnte es deshalb ab, eine Geschäftsstelle in München zu übernehmen. Dieses „Nein“ hätte meine Karriere beenden können – und war zugleich eine klare Entscheidung, meinen Überzeugungen auch unter schwierigen Umständen treu zu bleiben. So halte ich es heute noch.
Gibt es eine Persönlichkeit, die Sie im Laufe Ihrer Karriere inspiriert hat?
Ja, Dr. Martin Wansleben. Als Leiter der Abteilung Betriebswirtschaft des VDMA übernahm er 1993 die Geschäftsführung des VSMA. Ich war skeptisch, weil er nicht vom (Versicherungs-)Fach war. Meine kritische Haltung verflüchtigte sich schon im ersten Gespräch: Die Auffassungsgabe von Dr. Martin Wansleben war einfach überragend. Während ich noch nach Worten suchte, um die aktuellen Probleme der VSMA zu erklären, hatte er bereits einen überzeugenden Lösungsweg skizziert. Eine echte Inspiration!
Hat sich Ihre Rolle als Geschäftsführer über die Jahrzehnte verändert?
Verändert hat sich meine Rolle erst in den letzten zehn Jahren. Die Generationen Y und Z brauchen eine andere Ansprache und wollen stärker in alles einbezogen werden. Das war eine Herausforderung für mich, da ich aus einer Generation komme, die klare Anweisungen bevorzugt. Heutzutage sind Erklärungen und das Verständnis, warum etwas auf eine bestimmte Weise gemacht wird, viel wichtiger. Ich gebe zu, das war für mich schwierig umzusetzen.
Was hat Sie in den 35 Jahren bei der VSMA täglich motiviert?
Zum einen die Verantwortung dafür, dass die VSMA erfolgreich ist und bleibt. Zum anderen meine Kundenkontakte. Als Geschäftsführer wird man meist genau mit den Dingen konfrontiert, die nicht optimal laufen. Für solche Probleme gemeinsam mit den Kunden individuelle Lösungen zu finden, hat mir immer sehr viel Spaß gemacht. Auch das Vertrauen meiner Kunden hat mich jeden Tag aufs Neue motiviert und angetrieben.
Worüber haben Sie zuletzt gelacht?
Am häufigsten lache ich über mich selbst. Sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, ist für mich der beste Weg, eine positive und gelassene Einstellung zu bewahren.
Wenn Sie mit Ihrem heutigen Wissen/Ihrer heutigen Erfahrung als Geschäftsführer der VSMA noch einmal von vorne anfangen könnten, würden Sie etwas anders machen?
Nein, ich würde gar nichts anders machen. Am Ende des Tages zeigen die Zahlen und der Erfolg der VSMA, dass das gesamte Führungsteam und damit auch ich vieles richtig gemacht haben. Ich glaube aber auch, dass man mit meinem Führungsstil heutzutage ein junges, agiles Unternehmen nicht mehr leiten kann. Jetzt sind – auch in der VSMA – andere Führungsstrategien gefragt, um neue Generationen zu begeistern.
Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie nun in den Ruhestand treten?
Ich freue mich darauf, ganz neue Dinge für mich zu entdecken und mehr Zeit für meine Hobbys zu haben. Mehr sportliche Aktivitäten wie Tennis, Fitness und Skifahren stehen zum Beispiel ganz oben auf meiner Liste. Außerdem plane ich, mir eine Dauerkarte für die Frankfurter Museen zuzulegen und jedes einzelne zu besuchen. Auch meine Dauerkarte für die Eintracht werde ich jetzt auf jeden Fall häufiger nutzen. Ein weiterer Punkt auf meiner Agenda ist ein Geschichtsstudium. Ich möchte mich in Themen vertiefen, die mich schon immer fasziniert haben und den Uni-Alltag von heute live erleben – besser spät als nie!
Mehr über den beruflichen Werdegang von Jürgen Seiring lesen Sie im Porträt.
Jürgen Seiring ist gelernter Versicherungskaufmann und Versicherungsfachwirt und kann heute auf 43 Jahre Erfahrung im nationalen und internationalen Industrieversicherungsgeschäft zurückblicken. Seine berufliche Laufbahn begann er 1981 im Alter von 20 Jahren beim Gerling-Konzern, wo er sich auf Industrieversicherungen, Haftpflicht und Vertrieb spezialisierte und zahlreiche Weiterbildungen absolvierte. 1987 verließ er Gerling auf eigenen Wunsch und sammelte knapp zwei Jahre lang bei Gradmann & Holler in Frankfurt erste Erfahrungen im Industriemaklergeschäft. 1989 wechselte er zur VSMA GmbH, wo er vier Jahre später Prokura erhielt und die Leitung des Haftpflicht-Ressorts und des Vertriebs übernahm. 1996 wurde er zum Geschäftsführer der VSMA berufen und blieb „seiner VSMA“ in dieser Funktion bis zu seinem Ruhestand treu.
